„Schönblick“ & idea luden 10 Organisationen zum Kongress „Gedenket der Märtyrer“ ein
Christenverfolgung gehört zu den bedrängenden Problemen der Gegenwart. Dieser Ansicht ist der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Es handele sich nicht um Einzelfälle, schreibt er in einem Grußwort zum Kongress „Gedenket der Märtyrer – Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Als Beispiele für besonders bedrängende Situationen nennt Kauder Gerichtsverfahren im Iran gegen ehemalige Muslime, die Christen wurden, verwüstete christliche Dörfer in Indien und die Lage der Untergrundkirche in der Volksrepublik China.
Kauder: Es geht um Christen
Laut Kauder soll sich eine am christlichen Menschenbild orientierte Politik nicht nur grundsätzlich für die universelle Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, sondern speziell auch für verfolgte Christen: „Als Christen sind wir besonders gefragt, wenn es um das Leid unserer Glaubensbrüder geht. Wir sind mit ihnen in Jesus Christus verbunden.“ Veranstalter des Kongresses mit rund 250 Teilnehmern sind das Christliche Gästezentrum Württemberg „Schönblick“ und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Kooperation mit 10 Hilfsorganisationen.
100 Mio. verfolgte Christen
Nach Angaben des Direktors des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), sind mehr als 100 Millionen Christen Verfolgungen ausgesetzt. Etwa 90% aller aus religiösen Gründen Verfolgten seien Christen – meist in Ländern mit islamischen, buddhistischen und hinduistischen Mehrheiten oder in kommunistisch regierten Staaten. Das Institut ist eine Einrichtung der Weltweiten Evangelischen Allianz. Als Hauptgründe für Verfolgung nannte der Vorsitzende des Instituts, Studienleiter Paul Murdoch (Tübingen), die Angst, Macht und Einfluss an Christen zu verlieren.
Das 20. Jahrhundert war für Christen das blutigste
Der Vorsitzende der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Kirchenrat i. R. Rolf Sauerzapf (Kassel), bezeichnete das 20. Jahrhundert als das an Verfolgung blutigste in der 2.000-jährigen Kirchengeschichte. Türkischen Pogromen seien von 1915 bis 1921 mehr als 1,5 Millionen christliche Armenier zum Opfer gefallen, später seien auch die Assyrer im Gebiet Tur Abdin (Berg der Gottesknechte) bis auf einen kleinen Rest vernichtet worden. Kommunisten hätten in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1989 rund 20 Millionen Menschen – überwiegend Christen – umgebracht. Millionen Todesopfer durch Verfolgung habe es auch in der Volksrepublik China gegeben. Berichte über diese Gräuel seien im Westen jedoch weitgehend unterdrückt worden.
Kirchen begriffen es nicht
Als norwegische Christen den lutherischen Pfarrer Richard Wurmbrand (1909-2001) nach 14 Jahren Gefangenschaft in rumänischen Kerkern freikaufen konnten, habe man dessen Schilderungen nicht glauben wollen. Während Wurmbrand als Antikommunist denunziert worden sei, hätten westliche, marxistisch orientierte Kirchenführer mit gleichgeschalteten Kirchenleitungen im Ostblock über friedliche Koexistenz gesprochen.
Landesbischof July: Märtyrer sind keine Selbstmordattentäter
Schirmherr der Konferenz ist der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart). Er kritisiert in seinem schriftlichen Grußwort eine große Unkenntnis vieler Medien über die Situation von Christen. „Skandalöse Vergleiche“, in denen Selbstmordattentäter und christliche Märtyrer in einem Atemzug genannt wurden, belegten, „wie Gleichgültigkeit zur Uninformiertheit führt und groteske Folgerungen auslöst“. Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hatte am 4. August evangelikale Missionare in die Nähe islamistischer Selbstmordattentäter gerückt. Laut July sehnt sich kein Christ danach, Märtyrer zu werden.
Grußwort des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July:
Die ganze Kirche hat bedrohten Christen beizustehen!
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,
das Neue Testament zeigt, dass Jesus selbst von Gefahren und Bedrohungen für seine Nachfolger gesprochen hat. Märtyrerinnen und Märtyrer hat es zu allen Zeiten der Kirchengeschichte gegeben. Sie sind Zeugen der Liebe Jesu Christi und Bekennerinnen und Bekenner der Wahrheit des dreieinigen Gottes!
Das bedeutet aber nicht, dass Christen zu Märtyrer werden müssen oder sich danach sehnen. Manch skandalöse Vergleiche in den Medien unserer Tage, in denen Selbstmordattentäter und christliche Märtyrerinnen und Märtyrer in einem Atemzug genannt werden, belegen wie „Gleichgültigkeit“ zur Uninformiertheit führt und groteske Folgerungen auslöst. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und in der Charta der UN verankert. Dies gilt es immer wieder für unsere Brüder und Schwestern anzumahnen und zu verteidigen, die in Ländern wohnen, in denen keine Religionsfreiheit gewährt wird.
Gleichzeitig gilt es darauf zu achten, differenziert die Situation der Christen in den jeweiligen Ländern zu beurteilen. Nicht jede Not von Christen ist vordergründig eine Christenverfolgung. Ethnische Auseinandersetzungen, Gebietsansprüche, Neid sind mancherorts die Gründe, deretwegen sie oft zu leiden haben. Im Hintergrund spielt dann die religiöse Verschiedenheit doch eine große Rolle.
2007 hat die württembergische Synode beschlossen, den Stephanustag am 26. Dezember als Gebetstag für verfolgte Christen in unserer Landeskirche einzuführen. Dazu gibt der Oberkirchenrat jedes Jahr eine Arbeitshilfe für die Gemeinden heraus. Die Gemeinden sollen an diesem Tag in besonderer Weise der Schwestern und Brüder in aller Welt gedenken und für sie beten.
Dieser Gedenktag ist aus vielerlei Gründen wichtig und notwendig.
So wird etwa den Christen in der Türkei immer noch die freie Religionsausübung verwehrt. Trotz Einführung des „Stiftungswesen“ können Kirchengemeinden dort kein Eigentum erwerben, Kirchen bauen oder ihre Geistlichen ausbilden. Den Syrisch Orthodoxen Christen ist es nach wie vor verwehrt, die aramäische Sprache zu lehren. Auch wenn von offiziellen Stellen betont wird, wie willkommen die Syrisch Orthodoxen Christen im Tur Abdin wieder sind, werden Ihnen auf lokaler Ebene oft „Steine“ in den Weg gelegt. Dies haben auch die Anklagen gegen das Kloster Mor Gabriel in jüngster Zeit gezeigt und die Abholzung der Wälder, die von Christen bewohnte Dörfer umgeben.
Auch die in diesem Jahr angeordneten Schlachtungen der Schweine durch ägyptische Behörden sind eine versteckte Maßnahme gegen die koptischen Christen. Die Schweinegrippe hat nur den willkommenen Vorwand für die Entscheidung der ägyptischen Regierung geliefert, den gesamten Schweinebestand des Landes töten zu lassen. Dabei wird die wirtschaftliche Schwächung von mehr als 150.000 Menschen, unter denen die Mehrzahl Christen sind, in Kauf genommen.
Im südlichen Irak geht die Bedrohung der Christen weiter. Die meisten von ihnen sehen dort für sich keine Perspektive. Über 70.000 Christen sind in den kurdischen autonomen Nordirak geflohen, weit mehr nach Jordanien und Syrien. Für die in den Nordirak geflohenen Christen führt die Evangelische Landeskirche in Württemberg seit zwei Jahren Hilfsprogramme durch.
Diesen Beispielen könnten viele Einzelbeispiele aus verschiedenen Ländern und Kontinenten hinzugefügt werden: Frauen, Männer und Kinder, die um des Evangeliums willen Verfolgung leiden und dadurch gestärkt werden, wenn sie spüren, dass Christen und Kirchen in anderen Ländern ihre Schicksale bekannt machen, für sie beten oder andere Unterstützung geben. Ich denke, dass auch der Kongress auf dem Schönblick seinen Anteil leistet. Wichtig ist und bleibt, dass alle Verfolgungen und Menschenrechtsverletzungen öffentlich gemacht werden.
Wichtig ist und bleibt, die politisch Verantwortlichen aufzufordern, die Menschenrechte und die freie Religionsausübung zu sichern. Für uns Christen bleibt die Aufgabe den bedrohten Geschwistern mit praktischer Hilfe und im Gebet beizustehen. Dies sind Aufgaben für die ganze Kirche.
Ich wünsche, dass der Kongress für die veranstalteten Organisationen zur Ermutigung wird und unseren Gemeinden Impulse vermittelt. Wir sind getröstet von dem, der da spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Dr. h. c. Frank Otfried July
Landesbischof
Grußwort des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder:
Wir setzen uns für die verfolgten Christen ein!
Gedenket der Märtyrer! Unter dieser Aufforderung versammeln Sie sich in diesen Tagen zu einem Kongress, um über die Lage der verfolgten Christen zu beraten. Sie greifen damit ein Thema auf, das mir auch persönlich ein Anliegen ist.
Unfreiheit und Unterdrückung religiöser Aktivitäten ist in weiten Teilen der Welt nach wie vor Realität. Es ist eine bedrückende Realität, mit der besonders häufig Christen konfrontiert sind. Einzelschicksale rütteln uns immer wieder auf. Die Zahlen über Christenverfolgungen, die uns Hilfsorganisationen vorlegen, zeigen, dass es sich dabei keinesfalls um Einzelfälle handelt. Die Gerichtsverfahren gegen Christen im Iran, die sich auf Gesetze gegen den Abfall vom Islam stützen, verwüstete christliche Dörfer in Indien oder auch die Lage der Untergrundkirche in China zeigen, dass Christenverfolgungen ein drängendes Problem unserer Zeit ist.
Politik, die sich am christlichen Menschenbild orientiert, setzt sich immer auch für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Wir tun dies unabhängig von der Frage, wo die Menschenrechte missachtet werden und wer die Betroffenen sind, denn für uns ist klar: Menschenrechte sind unteilbar. Neben diesem universellen Anspruch unserer Politik sind wir aber als Christen besonders gefragt, wenn es um das Leid unserer Glaubensbrüder und –schwestern geht. Wir sind mit ihnen in Jesus Christus verbunden. Der Apostel Paulus spricht davon, dass wir als Christen ein Leib sind. Daher ist es wichtig, dass wir uns in Deutschland mit der Lage der Christen in aller Welt befassen und uns für die Verfolgten unter ihnen einsetzen.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich in der zurückliegenden Legislaturperiode immer wieder mit den Nöten der verfolgten Christen beschäftigt. Wir haben zu Anhörungen eingeladen, Informationsreisen unternommen, Gespräche geführt und die Anliegen der verfolgten Christen in die parlamentarische Arbeit eingebracht. Angesichts der bedrückenden Lage in vielen Ländern wird das Thema Christenverfolgung bei der Union auch in dieser Legislaturperiode wieder eine wichtige Rolle spielen.
Ein wichtiger Erfolg unserer Arbeit war der Beschluss der EU im vergangenen Jahr, 10.000 irakische Flüchtlinge in Europa aufzunehmen. Politiker der Union hatten immer wieder für einen solchen Schritt geworben und dabei darauf gedrängt, insbesondere den religiösen Minderheiten und namentlich den geflohenen irakischen Christen bei uns Schutz zu bieten. Als im Januar dieses Jahres die erste Maschine auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen landete, wurde unser Einsatz für verfolgte Christen für viele Menschen in Deutschland sichtbar. Die dankbaren Menschen, die über die Schrecken in ihrer Heimat und die Gründe ihrer Flucht berichteten, haben mit dazu beigetragen, bei uns die Wahrnehmung für die Probleme der verfolgten Christen zu schärfen.
Mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass Ihre Konferenz von einem breiten Bündnis unterschiedlicher Organisationen getragen wird. Ich halte diese Zusammenarbeit für wichtig, damit Ihr Anliegen gehört wird und Ihr Einsatz erfolgreich sein kann. Ich wünsche Ihnen für die Konferenz gute Gespräche, Vorträge und Diskussionen und hoffe auf ein ermutigendes Signal aus Schönblick für unsere verfolgten Brüder und Schwestern.
Volker Kauder MdB, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion










